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Von Hannes Kuhnert

 

Über unerwartet große Resonanz freute sich Hans-Martin Haist bei der Benefizlesung mit José F. A. Oliver in der voll besetzten Kinderwerkstatt Eigen-Sinn.

Der Dichter aus Hausach im Kinzigtal, Sohn spanischer Eltern, passte sehr wohl in den Rahmen dieser »wundervollen Einrichtung«, wie Oliver die Kinderwerkstatt nannte. Er hat selbst in Peru ein Projekt für Straßenkinder auf die Beine gestellt. Er hat auch mit Freunden durchgesetzt, dass Kinder in den Elendsvierteln von Peru ein Recht auf kindgerechte Arbeit haben. In Hausach hat Oliver das Literaturfestival »LeseLenz« ins Leben gerufen. Der Dichter lud deshalb bereits jetzt zur Eröffnung des diesjährigen »LeseLenz« am 18. Juni ein. Dort wird Hans-Martin Haist auch einen Teil seiner Fußbälle von Straßenkindern aus aller Welt ausstellen.

Oliver stellte bei der Lesung einige Essays und Texte aus seinem umfangreichen Schaffen vor, sensible, gefühlvolle Gedichte, meist dem Vater gewidmet, vorwiegend aus seinem Buch »Mein andalusisches Schwarzwalddorf«. Er überraschte dabei immer wieder mit fantasievollen Wortschöpfungen und Gedankenfetzen in einem ganz eigentümlichen Rhythmus, die sich wie ein Mosaik zu einem Bild zusammenfügten.

Olivers Gedichte scheinen zu schweben, sind eindringlich und geheimnisvoll zugleich, werden mitunter fast körperlich spürbar. Sein Gedicht über die Schwierigkeit, Gedichte zu schreiben, siedelt er in einem Zwiegespräch an einem Flussufer an. Dort scheint am Ende alles ins Fließen zu geraten, ist alles »im Fluss«. Sein familiärer Hintergrund als Gastarbeiterkind im Schwarzwald kam eindrucksvoll in »Prunkstücken der Erinnerung« aus Kinderjahren zum Ausdruck. Noch im März wird bei Suhrkamp Olivers neuestes Buch mit Schwarzwald-Gedichten erscheinen, im kommenden Jahr ein Buch über den Weg der Schwarzwaldflößer bis nach Amsterdam. Der weltgereiste Oliver war Stadtschreiber unter anderem in Kairo und erlebte in Australien, dass seine Gedichte getanzt wurden. Dennoch hatte er sich auch für Freudenstadt Staunen aufgehoben. Ein Staunen über die »Paläste aus Schnee vor der Haustür«.

(Quelle: Schwarzwälder Bote 15.03.2010)