Schutzschirm und Rettungsanker zugleichVon Hannes Kuhnert
Eigentlich wollte der Stiftungsrat der Stiftung Eigen-Sinn für einen Moment innehalten und sich besinnen. Doch der Rückblick auf fünf Jahre Stiftung, mehr noch der Blick in die Zukunft, gaben eher Anlass zur Sorge als zur Zufriedenheit.
Dennoch klang Stolz aus den Worten des Stiftungsrats-Vorsitzenden Klaus Kummer, denn innerhalb von fünf Jahren hat die Stiftung eine Million Euro an Spendengeldern erhalten und diese für benachteiligte Kinder und Jugendliche der Kinderwerkstatt Eigen-Sinn eingesetzt.
Rund 100 Kinder und Jugendliche aus dem Landkreis Freudenstadt werden in zehn Gruppen von sechs hauptamtlichen Mitarbeitern, einem Auszubildenden, von Honorarkräften und ehrenamtlichen Mitarbeitern intensiv pädagogisch betreut. Derzeit werden fünf der 100 Kinder vom Jugendamt des Landkreises Freudenstadt mitfinanziert. Kummer nannte es ein Armutszeugnis der Gesellschaft, dass bei der Kinder- und Jugendarbeit in einem so reichen Land gefeilscht, geknausert und weggeschaut werde. Beklommen fragten sich die Stiftungsräte, was mit den Kindern wohl geschehen wäre, wenn es die Kinderwerkstatt Eigen-Sinn nicht gäbe.
Umso dankbarer zeigte sich der Stiftungsrat über die Spendenbereitschaft der Bürger, die mit kleinen Einzelbeträgen oder auch mit größeren Spenden-Summen und fantasievollen Aktionen die Stiftung in die Lage versetzten, für Kinder sowohl Rettungsanker als auch Schutzschirm zu sein. Unter den Spendern sind auch 218 Paten, die monatlich einen selbst bestimmten Geldbetrag überweisen und damit der Arbeit ein Stück Sicherheit geben. Die Stiftung Eigen-Sinn wendet derzeit monatlich rund 18.000 Euro für die Gruppenarbeit auf. Das Ziel, 500 Paten zu finden, sei aber noch weit entfernt, so Klaus Kummer.
Kinderwerkstattleiter Alexander Fix informierte über die derzeit zehn laufenden Anti-Gewalt-Trainings in Schulen des Landkreises. Die Coolness-Trainer würden immer stärker auch aus Nachbarlandkreisen und als Ausbilder für Pädagogen angefordert, zum Teil gebe es lange Wartelisten.
»Wir können«, so berichtete Fix aus der pädagogischen Arbeit, Kindern und Jugendlichen ein Stück Heimat, Normalität und Vertrauen geben und haben trotzdem viel Spaß dabei.« Immer wichtiger werde auch die Arbeit mit den Eltern.
Dies bestätigte auch Ulrike Haist als Leiterin des heilpädagogischen Kinderheims, in dem zurzeit zwei Gruppen zu je zehn Kindern leben. Auch hier gebe es lange Wartelisten. Das Kinderheim Villa Sonnenheim mit der Wohngruppe »i-Tüpfelchen« plane im kommenden Jahr Elternwochenenden mit den Kindern, Väterwochenenden und mehrere Elterntage mit therapeutischem Ansatz.
Bewegung gab es auch im Stiftungsrat. Er wurde um Heike Ditlevsen und Kristina Osswald erweitert, sie übernehmen mit Verantwortung im Stiftungsrat.
(Quelle: Schwarzwälder Bote Januar 2009) |